Die letzten Wochen …

… waren überaus ereignisreich und randvoll mit Musik! Am 19. September spielten Sina, Laurin und ich bei der Ausstellungseröffnung Offene Ateliers – Künstler in Rösrath, ein Auftritt vor ganz wunderbarem und aufmerksamem Publikum. Die Spielzeit haben wir uns aufgeteilt; in der ersten Hälfte gab es Lieder aus meiner Feder,


… in der zweiten Hälfte spielten Sina & Laurin Songs aus ihrem Programm.


Am Tag darauf ging es dann in die Kölner Südstadt: im Musikhaus Süd präsentierten Anna Herbst (Sopran) und Sigrid Sachse (Klavier) ihr wunderschönes Programm Auf Rilkes Spuren mit Liedern von Franz Schubert bis in die Gegenwart. Unter anderem gab es eine ganze Reihe von Ur- und Deutschen Erstaufführungen: Werke des Pariser Komponisten Jean-Philip Dartois ebenso wie Kompositionen von Sigrid (ermöglicht durch freundliche Unterstützung der Stadt Köln).
Das Konzert fand (natürlich) unter Corona-Bedingungen statt. Das Publikum saß in Abstand voneinander, wodurch weniger Personen in den Saal durften. Dafür wurde das Programm dann zweimal hintereinander präsentiert (Hut ab vor der Leistung der Interpretinnen!). Die Auftritte bekamen dadurch eine Intimität und Intensität, wie man sie nur selten erlebt … und wer weiß: vielleicht können wir auch für Nach-Corona-Zeiten daraus lernen und neue, intimere Konzertformen etablieren. Für diejenigen, die – wie ich – das Glück hatten, beide Aufführungen hören zu dürfen, ergaben sich umso tiefere Einblicke in die Kompositionen und deren hochkonzentrierte Interpretationen.
Ebenfalls der Pandemie geschuldet war die Tatsache, dass die Konzerte bei geöffnetem Fenster durchgeführt wurden – bei traumhaftem Wetter an einem der letzten Kölner Spätsommerabende des Jahres. Natürlich waren dadurch immer wieder Geräusche des angrenzenden Kinderspielplatzes und des Straßenverkehrs zu hören … doch entgegen meiner Befürchtungen hat dies überhaupt nicht gestört, im Gegenteil: die Kompositionen und der Schall von draußen vermischten sich zu einer spannenden und klangvollen ‚Soundscape‘. Ein Erlebnis!


Seit dem 25. September sind Sina, Laurin und ich mit den Aufnahmen zu meinem ersten Song-Album beschäftigt (Arbeitstitel: echt jetzt), etwas, das ich mir schon seit Jahrzehnten wünsche und was nun durch die phantastische Unterstützung meiner Familie endlich Wirklichkeit wird! Was für ein unglaubliches Glück, eigene Lieder aufnehmen zu dürfen! Und was für ein Geschenk, seine Kinder als Mitmusiker gewinnen zu können! Der Hammer!!
Bislang waren wir drei Tage im Studio (im Subtone-Studio zu Dortmund bei dem wunderbaren Ralf Kiwit) und haben nun die Aufnahmen zu 12 Tracks im Kasten. Nächste Woche geht es dann an den Feinschliff.

Auch wenn wir längst nicht fertig sind und die Veröffentlichung noch eine ganze Weile auf sich warten lassen wird, kann ich doch jetzt schon verraten, dass es ein sehr poetisches Album werden wird, mit manchmal nachdenklichen, manchmal verträumten und manchmal beinahe schon philosophischen Texten (meine Kölschen Songs, meine Gassenhauer und meine Kinderlieder sind nicht dabei; die müssen noch ein bisschen abwarten).
In der Instrumentierung 6- und 12-saitige akustische Gitarren, Cello, E-Bass, Cajón und natürlich Gesang spielen wir unterschiedlichste Stile, die von ‚Gitarrenfolk‘ über Bossa Nova und Rock bis hin zum HipHop reichen; etwas Jazz-Einfluss schimmert selbstverständlich immer mal wieder durch.
Eigentlich müssten wir jetzt sagen, dass wir es kaum erwarten können, bis das Album endlich fertig ist. Das stimmt ja auch, würde aber ausblenden, dass wir tatsächlich bislang jeden Moment der Produktion wirklich genossen haben! Natürlich ist Studioarbeit Konzentration pur und unglaublich anstrengend. Aber sie macht halt auch einfach riesigen Spaß! 😀


Um die Wartezeit zu verkürzen, gibt es natürlich viele Möglichkeiten. Zum Beispiel die monatlichen Veröffentlichungen meines ‚Jahreslauf‘-Projekts unter dem Namen norrut. Pünktlich zum 1. Oktober ist auf allen wesentlichen Plattformen meine neue Komposition koyo erschienen.

koyo ist ein reines Gesangsstück. Zwar habe ich den ein oder anderen Effekt verwendet, z.B. Hall, aber es gibt diesmal keinen einzigen elektronisch erzeugten Klang; zu hören ist nur meine Stimme. 
koyo ist der japanische Begriff für die geradezu magische Herbstfärbung insbesondere der Ahornbäume. Die Komposition besteht aus 10 Abschnitten à einer Minute, denen jeweils ein sechsstimmiger Akkord zugrundeliegt. Dieser wird von 12 Stimmen mit ständig wechselnden Vokalen [i, e, ɛ, a, y, ø, œ, ɔ, o, u] gesungen, wodurch sich immer wieder neue Klangfarben und Obertonstrukturen ergeben, ähnlich den vielfältigen Farben im Herbstwald.  
Das wesentliche Sternzeichen im Monat Oktober ist die Waage; dieser wird der Edelstein Jade zugeordnet, den man mit Harmonie und innerem Frieden in Verbindung bringt. Den Waage-Geborenen sagt man ebenfalls nach, sie seien ausgleichend, friedliebend und harmoniebedürftig. Auch diesem habe ich in koyo versucht, Rechnung zu tragen.
Ich wünsche viel Freude mit diesem Stück; zum Beispiel hier:

APPLE MUSICSPOTIFYDEEZERAMAZONYOUTUBE

Vielen Dank für Eure Ohren und Eure Unterstützung!

Einen schönen Herbst,
bleibt standhaft und gesund,

Euer Georg

September …

… und schon wieder rast die Zeit so sehr, dass ich kaum hinterherkomme. Bisher war schon Einiges in diesem Monat los … und es bleibt spannend! Aber der Reihe nach …

Pünktlich zum 01.09.2020 wurde Demeter, das September-Kapitel aus dem Jahreslauf-Projekt von norrut veröffentlicht. Diesmal geht die Reise eher in Richtung ‚ChillOut‘; das Stück gehört zwar immer noch in die Ambient-Schublade, ist allerdings deutlich rhythmischer geraten … und vielleicht sogar tanzbar.

Zum Titel: Hades, der griechische Gott der Unterwelt, hatte sich in Kore verliebt. Diese hatte aus begreiflichen Gründen kein gesteigertes Interesse an einem Leben ohne Sonnenlicht, was Hades indessen nicht davon abhielt, sie kurzerhand zu entführen. Von nun an war Kore also Göttin der Unterwelt und nannte sich Persephone. Demeter, ihre Mutter, war entsetzt über den Verlust ihrer Tochter. In ihrer Verzweiflung ließ sie sämtliche Pflanzen verdorren. Kurz bevor die Welt unterzugehen drohte, einigte man sich auf einen Kompromiss: Persephone muss nur noch einen Teil des Jahres in der Unterwelt leben. Dementsprechend ist es Herbst und Winter, wenn sie sich dort unten befindet; Frühling und Sommer aber, wenn sie als Kore bei ihrer Mutter sein kann. Demeter ist also verantwortlich für die dunklen Jahreszeiten; daher ist ihr mein September-Stück zum Herbstanfang gewidmet. 

Ihr findet mein September-Stück auf den üblichen Streaming- und Download-Portalen, wie zum Beispiel: APPLE MUSICSPOTIFYDEEZERAMAZON und wie sie alle heißen. Und ich freue mich sehr über jeden Click oder gar Download.

Außerdem gibt es auf VIMEO ein Video zum Stück, in dem eigentlich gar nichts, aber dann doch wieder überraschend viel „geschieht“.

Selbstverständlich liegt es in der Natur der Sache eines solchen Projekts, dass ich die Komposition und Aufnahme für den jeweiligen Monat einige Wochen vor dem Veröffentlichungstermin abgeschlossen haben muss … so ist Demeter tatsächlich Ende Juli/Anfang August an ein paar regenreichen Tagen während unseres Urlaubs entstanden. Und ich war seitdem nicht untätig: Koyo und Samhain, die Stücke für Oktober und November, sind schon in der Pipeline.


Am 5. September 2020 fand in Köln unser erster Auftritt nach fast einem halben Jahr Stille statt (natürlich unter Beachtung aller notwendigen Corona-Regeln) … und dann gleich mit der ganzen Familie! In der Besetzung Sina (Cello), Laurin (Perkussion), Sigrid (Klavier) und Georg (Gitarre, Elektronik) spielten wir kammermusikalische Jazz-Instrumentals aus eigener Feder. Rahmen war ein unter die Haut gehender Vortrag von Dr. Gerhard Wenzel über das Leben und Denken von Dietrich Bonhoeffer – und es zeigte sich einmal mehr, wie wichtig es ist, aus der Geschichte zu lernen. Ein rundum gelungener Abend.


Am Tag darauf (leider ohne Fotos) spielten Sigrid Sachse (Klavier) und Cosima Breidenstein (Violine) ein wunderschönes, nicht öffentliches Konzert im Augustinum Braunschweig mit Werken von Johannes Brahms. Am 15. November soll dieses Programm in Köln zur Aufführung kommen; wir halten Euch auf dem Laufenden.


Und damit wären wir beim Thema „Ausblicke“! Am kommenden Samstag, 19. September 2020 um 19.00 Uhr spielen sowohl Sina und Laurin als auch Georg einige Songs unserer jeweiligen Singer/Songwriter-Programme im Rahmen der Offenen Ateliers Rösrath. Gezeigt werden dort Werke von Elke G. Nauroth, Gabriele Reicherts und Sinisa Grbic. Für die musikalische Unterstützung sorgen außer uns auch noch die Band ‚Himatfilm‘ (SA 20.00), das Vokalensemble ‚A Canta‘ (SO 19.00) und die Violinistin Alice Elena Butisca (SO 20.00).

Offene Ateliers Rösrath, 19. & 20.09.2020

Zum Besuch der Ausstellung (jeweils 14-18 Uhr) ist eine persönliche Anmeldung notwendig; die Konzerte finden unter freiem Himmel statt und können daher mehr Publikum vertragen. 😉

Sina & Laurin Sachse / Georg Sachse
Offene Ateliers Rösrath
Dammelsfurther Weg 10 • 51503 Rösrath
SAMSTAG • 19.09.2020 • 19.00 UHR
Nähere Informationen und Anmeldung unter: https://art-reicherts.de


Am Sonntag, 20. September 2020 findet der deutsch-französische Liederabend mit Anna Herbst (Sopran) und Sigrid Sachse (Klavier) im Musikhaus Süd/Köln statt, der im März aus coronären Gründen abgesagt werden musste. Neben Werken von Franz Schubert, Zoltán Gárdonyi und Jean-Philippe Dartois stehen auch Uraufführungen von Sigrid Sachse auf dem Programm, welche durch eine freundliche Förderung der Stadt Köln ermöglicht wurden. Da die Plätze begrenzt sind, ist eine Voranmeldung bzw. Reservierung notwendig (siehe Flyer).


Am Wochenende darauf … ach nein, das verrate ich noch nicht! Vielleicht im nächsten Blog-Eintrag … 😉

Mit musikalischen Grüßen,
Euer Georg

Die Reise nordwärts geht weiter …

norrut bleibt produktiv. Die ambitionierte Idee, jeden Monat ein neues Stück zu komponieren und jeweils zum 1. des Monats zu veröffentlichen, hat nun schon zu sechs charakterlich sehr unterschiedlichen Produktionen geführt. Die jüngste Veröffentlichung, peridot, ist seit dem 1. August online und erweitert die Klangpalette, diesmal vornehmlich auf Klavier- und Streicher-Samples basierend, ein wenig in Richtung „Neo-Klassik“.

norrut • Peridot

Der leuchtend grüne Edelstein Peridot gilt übrigens als Monatsstein für im August Geborene. Er soll in der Lage sein, negative Gefühle wie Egoismus, Neid oder Herzlosigkeit ins Gegenteil zu wandeln … aktuell wäre es wohl sehr angebracht, diesen Stein flächendeckend zu verteilen. Alternativ könnten wir es natürlich auch mit meiner Musik versuchen … 😉

Auch das Juli-Stück am Weiher möchte ich Euch noch einmal ans Herz legen. Hier verbinden sich Gitarre, Nyckelharpa, Tambura und Kantele mit einem vielstimmigen Frosch-Chor.

norrut • am Weiher

… das im Urlaub entstandene Chill-Out-Stück Demeter, das am 1. September 2020 veröffentlicht wird, geht dann wieder in eine ganz andere Richtung und wird sogar tanzbar … 😉

Wir bleiben fleißig …

… auch wenn es aktuell eher ruhig um uns zu sein scheint – dies scheint aber tatsächlich nur so. Untätig sind wir (trotz Corona) selbstverständlich nicht. Die sprechbohrer planen hochinteressante Projekte (über die ich zur Zeit noch nichts verraten kann), Sina & Laurin legen die Grundsteine für ein neues Album, und alle überlegen und planen und komponieren und schreiben wir. Zwei Beispiele:

Ein Video von Sigis wunderbarem Klavierstück Pegasus ist seit Neuestem auf YouTube zu sehen:

Ebenfalls auf YouTube, aber auch auf allen anderen Streaming-Diensten findet sich das „Mai-Kapitel“ des Jahreslauf-Projekts von norrut. Seit März versuche ich, ein Jahr lang jeden Monat ein frisches Ambient-„Aber-da-passiert-doch-gar-nichts!“-Stück zu veröffentlichen … und bisher ist mir das auch gelungen. 😉
Am 1. Mai wurde Bealtaine veröffentlicht, eine Komposition für Gitarre, Synthesizer, gestrichenes Vibraphon, elektronische (Stör-)Geräusche und knarzende Treppenstufen. Das ganze Stück steht in der Tonart C-dur, von der schon Hanns Dieter Hüsch zu berichten wusste, dass, wenn er diese verwende, seine wohlmeindenden Musikerfreunde ihn beiseite nähmen mit dem vertraulichen Hinweis, so etwas könne „man doch heutzutage nicht mehr machen“.

Brachmond, das nächste Stück, steht auch schon bereit … freut Euch mit uns auf den 1. Juni.

Corona-Überlegungen

Liebe (Musik-)Freundinnen und Freunde,

die Corona-Krise dauert an und wird uns sicherlich noch eine lange Zeit beschäftigen. Immerhin ist es eine sehr gute Nachricht, dass durch zupackende, aber trotzdem besonnene Maßnahmen ein Kollaps des Gesundheitssystems (zunächst) abgewendet werden konnte – etwas, das in anderen Ländern nicht so funktioniert hat. Für eine Entwarnung ist es allerdings noch viel zu früh. 

Durchaus heftig werden die aktuellen Pläne für Geschäfts- und Schulöffnungen diskutiert. Es liegt nun einmal in der Natur der Sache, dass weder Medizin noch Politik klare, eindeutige Antworten geben können – solange man schlicht nicht weiß, wie das Virus funktioniert und welche Auswirkungen es möglicherweise noch haben kann (gestern gab es einen ersten Bericht über eventuelle Folgeerkrankungen). Vor diesem Hintergrund des Nichtwissens fühle ich mich im Prinzip durch RKI und WHO sowie durch die Medien (und damit meine ich ernst zu nehmende wie z.B. öffentlich-rechtliche Sender, Spiegel, Zeit, Süddeutsche, FAZ, …) relativ gut informiert. Vor dem unsäglichen Clickbaiting sind aber auch diese leider nicht gefeit, weshalb es manchmal schwierig ist, Informationen zu finden. Und natürlich gibt es über ein weitgehend unbekanntes Virus auch unter Fachleuten unterschiedliche Ansichten. 

Ich bin sowohl Musiker als auch Wissenschaftler. Von „meinem“ Professor und Doktorvater, Prof. Georg Heike, habe ich sehr viel gelernt, vor allem aber, streng wissenschaftlich zu arbeiten und zu denken – dies war zentraler Bestandteil des Studiums. So freundlich und zuvorkommend Prof. Heike als Universitätslehrer war, so gnadenlos konnte er sein, wenn Überlegungen und Untersuchungen wissenschaftlichen Kriterien nicht genügten. Dies bedeutet übrigens nicht, nur die Wissenschaft gelten zu lassen! Ganz und gar nicht! Aber wenn man sich schon auf wissenschaftliches Terrain begibt, dann bitte richtig! Diese Denkweise ist mir quasi in Fleisch und Blut übergegangen. 

Entsprechend versuche ich auch in dieser Situation, mir ein umfassendes Bild zu machen und mich vor Spekulationen möglichst zu hüten. Zusätzlich zu den durch die Medien gesammelten Informationen gab es kurz vor Ostern eine hochinteressante Zusammenfassung der aktuellen Situation durch eine Ärztin, die ich zwar nicht persönlich kenne (Schwester eines Freundes), deren Infos und Ratschläge ich aber sehr plausibel fand. Ich habe nun beschlossen, eine Zusammenfassung meiner Überlegungen in diesem Blog zu veröffentlichen und vor allem meinen Freunden und Bekannten sowie meinen Schülerinnen und Schülern auf diese Weise zugänglich zu machen. Mir ist völlig bewusst, dass es viele unterschiedliche Meinungen gibt und ich bin jederzeit bereit, mich von kompetenteren Personen belehren zu lassen. 

Die Corona-Viren sind bekanntermaßen hoch ansteckend. Welche Übertragungsmöglichkeiten gibt es? 

1. Gesichert ist die Corona-Ansteckungsgefahr durch Tröpfcheninfektion, also durch Husten oder Niesen. Daher das „in-die-Armbeuge-Husten“. Und die 2m-Abstands-Regel, die aber in geschlossenen Räumen nur sehr bedingt funktioniert. Auch die – für den eigenen Schutz völlig nutzlosen – selbstgenähten Baumwollmasken bekommen dadurch ihre Berechtigung: Wer in eine Maske hustet, hustet wenigstens nicht ungebremst in den Raum. 

2. Nicht gesichert, aber relativ wahrscheinlich ist die Ansteckung durch sogenannte Schmier-Infektionen, also durch das Berühren kontaminierter Oberflächen und danach Berühren von Mund, Nase oder Augen. Deswegen: Hände waschen. 

3. Ziemlich bis sehr wahrscheinlich ist die Ansteckungsgefahr durch Aerosole, sprich: durch die Atemluft! Darauf deuten immer mehr Untersuchungen hin. WHO und RKI nennen schon seit Beginn der Corona-Krise ein 15minütiges Gespräch mit einer infizierten Person einen „engen Kontakt“ mit entsprechend hoher Ansteckungsgefahr. 

Die oben erwähnte Ärztin hat dies folgendermaßen konkretisiert: 
• Wenn man an einer infizierten Person (noch ohne Symptome wie Husten oder Niesen) vorübergeht, ist die Ansteckungsgefahr gering. 
• Befinden sich zwei Personen einige Minuten in zwei Meter Abstand, ist die Ansteckungsgefahr halbwegs gering; auch innerhalb eines Raumes. 
• Befinden sich zwei Personen länger als 15 Minuten in einem Raum, ist die Ansteckungsgefahr schon hoch, und zwar unabhängig vom Abstand. Zitat: „Das wäre dann schon grob fahrlässig.“
• Befinden sich zwei Personen ein bis zwei Stunden in einem Raum, „atmet ihr die gleiche Luft. Dann bist du infiziert!“ 

Abhilfe: Lüften! Die Ärztin bezeichnete regelmäßiges intensives Lüften als mindestens genau so wichtig wie das regelmäßige Händewaschen. Auch hier eine konkrete Äußerung: 
• Befand sich eine infizierte Person in einem geschlossenen Raum, muss mindestens 15 Minuten gelüftet werden, bis der Raum wieder gefahrlos betreten werden kann. 

Die Äußerungen der Ärztin klingen für mich einleuchtend und nachvollziehbar. Und letztlich ist genau das ja auch der Grund für die aktuellen Einschränkungen und Empfehlungen! Nur wird es tatsächlich zu selten so konkretisiert. Abhängig ist das Ganze natürlich auch von der Raumgröße. Im konkreten Fall ging es um einen geschlossenen Raum (Tonstudio) von ungefähr 9x9m. (Ich habe im Internet nach einem Zusammenhang zwischen Raumgröße und Infektionsrisiko gesucht, bin aber nicht fündig geworden). 

Eine Öffnung von Geschäften und Schulen ist vor diesem Hintergrund natürlich auch ein bisschen Glücksspiel. Waren die Schülerinnen und Schüler tatsächlich in den vergangenen Wochen weitgehend in Isolation und sind nicht krank geworden? Klar kann man sie dann zusammen in einen Klassenraum stecken, wenn man zusätzlich noch Abstandsregeln einhält und gegebenenfalls Masken nutzt. Nur ist eben nicht sicher, dass wirklich alle in weitgehender Quarantäne waren! Ein gewisses Risiko bleibt also bestehen. 

Wie im „Spiegel“ neulich zu lesen war, findet derzeit ein Politikwechsel statt. Da die Infektionsketten nicht mehr nachvollziehbar waren, wurde der „Shutdown“ nötig. Nun hofft man, Infektionsketten bald wieder nachvollziehen zu können. Bei einem Ausbruch der Krankheit bräuchten dann eben nur einzelne Schulen, einzelne Firmen und Fabriken geschlossen zu werden. Aber, ganz klar, persönliche Sicherheit vor einer Infektion bedeutet das selbstverständlich nicht! Seitens der Kölner Uni wurde ich vergangene Woche darüber informiert, dass aller Unterricht bis auf weiteres online durchzuführen sei – und zwar wahrscheinlich das gesamte Semester lang. Ich hatte mich schon vorher entschieden, meinen Lehrauftrag tatsächlich komplett digital durchzuführen, sowohl zum Schutz der Studierenden als auch zu meinem. 

Bislang können wir uns über das Krisenmanagement der Bundesregierung eigentlich nicht beklagen. Natürlich zeigen die Versäumnisse der vergangenen Jahre und Jahrzehnte in der Bildungs-, Kultur-, Sozial- und Gesundheitspolitik gerade jetzt heftige Wirkung; das aktuelle Agieren in der Krise halte ich bislang aber durchaus für vernünftig. Und tatsächlich steht Deutschland in einem internationalen Ranking zum Corona-Krisenmanagement zur Zeit auf Platz 2 der Welt, europaweit auf Platz 1. Es wäre schön, wenn dies so bliebe. 

Es liegt im Wesen einer Demokratie, Kompromisse zu suchen und zu schließen. Über die 800m2-Regel für Geschäftsöffnungen mag man den Kopf schütteln – aber diese Zahl ist ein solcher Kompromiss. Und ebenso die vorsichtige Öffnung der Schulen ab dem 4. Mai. Ehrlich gesagt sind mir solche vielleicht nicht ganz koscheren Kompromisse aber immer noch unendlich viel lieber als der selbstherrliche Größenwahn von den Trumps, Putins, Erdogans, Bolsonaros und Orbans dieser Welt. 

Der Regierung obliegt der Schutz des (Gesundheits-)Systems, sie kann sich nicht oder nur sehr bedingt um Einzelschicksale kümmern (immerhin sind in Demokratien Einzelschicksale nicht gleichgültig). Unterm Strich sind es aber die Einzelpersonen, die für ihren persönlichen Schutz Sorge tragen müssen. Und für den ihrer Verwandten und Freunde. Solange die Neu-Infektionen nicht bei Null angelangt sind (und zwar nicht bloß deutschland-, sondern mindestens europaweit), besteht bei allen Lockerungen der bestehenden Maßnahmen unterm Strich ein nicht vollständig kalkulierbares Risiko.

Noch ein Gedanke zum Abschluss: 
Es ist zu schade, dass die Corona-Krise nicht allgemein viel mehr als Chance wahrgenommen wird. Natürlich gibt es viel Elend. Aber gleichzeitig lernen wir gerade auch sehr viel Positives: Flexibilität, Solidarität, Kreativität, beispielsweise. Wir lernen auch, dass manche unserer dauernden Ablenkungen tatsächlich völlig überflüssig sind. Wir begreifen, dass der kleine Laden vor Ort wichtiger ist als der global operierende Konzern. Wir lernen, dass „Internet für alle“ zum Grundrecht werden muss. Und vielleicht lernen wir auch endlich mal, mit uns selbst klarzukommen. Das wäre vielleicht das Allerwichtigste: „If you can’t go outside, go inside!“ 

Vergangene Woche traf  ich im Netz auf folgende Zeilen eines Philosophen aus Indien: „And in the midst of this terrible despair, it offers us a chance to rethink the doomsday machine we have built for ourselves. Nothing could be worse than a return to normality. Historically, pandemics have forced humans to break with the past and imagine their world anew. This one is no different.“

In der Tat: Nichts könnte schlimmer sein als eine Rückkehr zur (sogenannten) Normalität.“ 

In diesem Sinne,
herzliche Grüße,
Euer Georg

Musik in Corona-Zeiten

Natürlich geht die Corona-Krise auch an uns nicht vorüber. Alle Konzerte bis einschließlich August sind abgesagt; ob ab September wieder Auftritte stattfinden können, weiß im Moment noch niemand. Auch die für die Osterferien geplanten Studio-Aufnahmen für das zweite Album von Laurin und Sina sind in Absprache mit dem Tonstudio erst einmal auf Eis gelegt. Auch wenn’s traurig ist: es war die richtige Entscheidung!

Unser Klavier- und Gitarren- und Flöten- und Bass-Unterricht findet zur Zeit nur noch online statt. Ich drehe an einem Streifen Lehr-Videos und bemühe mich, Noten und Materialien online zu stellen, ohne dabei Urheberrechte zu verletzen – was gar nicht so einfach ist. Tatsächlich benötige ich, um den Unterricht am Laufen zu halten, fast doppelt so viel Zeit – was mir natürlich niemand glaubt, da die gefühlte Realzeit für die einzelnen Schüler geringer ausfällt. Unserem Orts-Pfarrer geht es aber genauso; ich bin also in guter Gesellschaft.

Ähnlich ist es mit meinen universitären Lehraufträgen: ein irrsinniger Aufwand, der mich ebenfalls annähernd doppelt so viel Zeit kostet. Trotzdem ist für mich ganz klar, dass ich bis zu den Sommerferien keinen Präsenzunterricht im alten Stil erteilen werde, selbst wenn sich Naivlinge wie Herr Laschet oder Soziopathen wie Herr Lindner durchsetzen sollten … das werde ich weder meinen Schülerinnen und Schülern noch meinen Studentinnen und Studenten noch mir zumuten. Auch wenn ich dreimal mehr dafür arbeiten muss. Basta! Mir reicht völlig, was ich von erkrankten Freunden und Bekannten hören muss; ich muss diesem Sch…-Virus nun wirklich nicht auch noch persönlich begegnen!

Aber auch wenn unser Alltag aktuell in der ein oder anderen Weise beeinträchtigst sein mag – unsere Kreativität ist es nicht! Die Album-Aufnahmen von Sina und Laurin sind nur aufgeschoben, aber nicht aufgehoben … ich habe das Privileg, die neuen Songs schon alle zu kennen und kann nur sagen: Freut Euch drauf; es wird großartig – ein würdiger Nachfolger für den meisterhaften Erstling Glances, den Ihr Euch, solltet Ihr ihn noch nicht kennen, unbedingt anhören solltet!

Für mein Elektronik-Ambient-Projekt norrut habe ich mir ein „Jahreslauf-Projekt“ vorgenommen. Am 1. März wurde die Märzmusik veröffentlicht, am 1. April die meditative Komposition Grasmond (ein alter Name für den April).

Grasmond besteht aus neun Synthesizer- und Sampling-Spuren, die alle live eingespielt wurden. Die Melodielinie ist stetig aufsteigend, passend zum Ostergedanken. Als „Stargast“ spielt ein Schwedischer Gebirgsbach, den ich letztes Jahr mitten in Värmland aufgenommen habe, eine wesentliche Rolle; ich dachte dabei an den alten Brauch des Osterwassers.

Ich wünsche viel Freude mit Grasmond und Märzmusik; das nächste Jahreslauf-Stück mit dem Arbeitstitel „Bealtaine“ freut sich schon auf seine Veröffentlichung am 1. Mai! 🙂

norrut: maerzmusik

Begrüßt den Frühling mit der Märzmusik von norrut! Der entspannte Ambient-Titel erscheint am 1. März auf allen Streaming- und Download-Plattformen und freut sich auf Eure Ohren. Eingespielt mit dem Oberheim OB•12, dem Korg R3 sowie Software-Synthies von Logic.

Buch/CD ‚Autorenmusik‘ wird in Kürze veröffentlicht

"Autorenmusik. Erkundungen im Zwischenreich von Sprache und Musik", hg. von Harald Muenz & Florian Neuner, Verlag Reinecke & Voß

Ganz frisch aus der Druckerei: das Buch ‚Autorenmusik‘, in welchem das gleichnamige Projekt der sprechbohrer dokumentiert ist. Mit Beiträgen von Harald Muenz, Florian Neuner, Crauss, Christian Filips, Stefan Fricke, Christoph Herndler, Neo Hülcker, Swantje Lichtenstein, Rainer Nonnenmann, Karin Spielhofer, Robert Stähr, Christian Steinbacher, Matthias Traxler, Elisabeth Wandeler-Deck und mir. – Nun warten wir nur noch auf Lieferung der CD … dann is‘ fädich! Sogar noch rechtzeitig vor Weihnachten! 😉

Wer hätte, als wir unser verträumtes Experimental-SprachKunstTrio gegründet haben, ahnen können, dass 15 Jahre später eine Dokumentation über unsere Arbeit veröffentlicht wird? Und gleichzeitig damit unser viertes Album? – Also, ich jedenfalls nicht! Und entsprechend bin ich immer noch erstaunt … und, ja, durchaus stolz.

Bleibt nur noch anzumerken, dass diese Buch/CD-Veröffentlichung nicht etwa den Abschluss des Projekts ‚Autorenmusik‘ darstellt, sondern eher so etwas wie ein Zwischenbericht. Tatsächlich stecken wir schon wieder mitten in den Planungen und Vorbereitungen für neue Taten. Es bleibt spannend …

Happy New Year

So lange her seit dem letzten Blog … die vergangenen Wochen waren in der Tat sowohl aufreibend als auch zeitraubend. Schlichtweg keine Chance für Updates! – Dann endlich Weihnachten! Und für die Tage zwischen den Jahren habe ich mir dann einfach nur ein wenig Stille verordnet. Okay – mit Schnee und klirrender Kälte wäre die Stille zweifellos authentischer gewesen … aber auch so ließ sich während der (leider gar nicht so rauen) Raunächte ein wenig durchatmen.

Ob das noch was wird mit „richtigem“ Winter in diesen Breiten? Wetten werden noch angenommen – in good old Cologne wäre dies allerdings durchaus ein kleines Wunder …

Allen Besuchern unserer Homepage ein glückliches und gesundes neues Jahr! In den nächsten Tagen wird es ein paar Rückblicke geben … und dann freuen wir uns auf ein kunstvoll-kreatives 2019!